Zum Inhalt background

Abgasvorschriften für Bootsmotoren

Am Bodensee gelten strenge Abgasvorschriften

Bereits 1993 wurden am BodenseeAbgasnormen eingeführt – weltweitdie ersten derartigen Vorschriften fürBootsmotoren überhaupt. Sie geltenin mittlerweile verschärfter Formauch heute noch, obwohl die von der EU europaweit erlassenen Vorschriften meist weniger streng sind.

Es sind insbesondere die Zweitakter-Außenborder, die den schlechten Ruf der Bootsmotoren begründet haben: sie qualmen, stinken und sind obendrein noch laut. Doch auch Viertakter und Dieselmotoren sind, insbesondere wenn sie in Wasserfahrzeugen installiert sind, keine Saubermänner. Ein großes Problem der Bootsmotoren-Abgase für die Wasserqualität ist nämlich, dass diese bei Außenbordmotoren und einem Großteil der Einbaumotoren von Vergnügungsfahrzeugen direkt ins Wasser eingeleitet werden. Dabei gelangt vor allem bei Zweitakt-Außenbordern eine ganze Palette von Schadstoffen direkt in den See. Beim Entweichen der Verbrennungsgase aus dem Zylinder kommt beispielsweise unverbranntes Benzin ins Wasser.

Vorschriften verschärft

Zum 1. Januar 1993 wurden im Rahmen der Bodensee-Schifffahrtsordnung (BSO) strenge Abgasvorschriften erlassen, die 1996 mit der bis heute gültigen zweiten Stufe noch verschärft wurden und die für alle neu zugelassenen Motoren sowie Austauschtriebwerke gelten.

Dabei wird am Bodensee nicht zwischen Zwei- und Viertaktmotoren unterschieden. „Das ist für diesen großen Trinkwasserspeicher insofern plausibel, als Zweitakter mit konventioneller Gemischaufbereitung mittels Vergaser zwischen 25 und 40 Prozent des verbrauchten Benzins unverbrannt ins Wasser emittieren“, erläutert Wolfgang Wachter, der an der Technischen Universität Graz Vorlesungen zum Thema Abgasemissionen hält und Mitglied der Internationalen Schifffahrtskommission für den Bodensee ist. Der Motorenexperte ergänzt allerdings auch: „Durch Einspritzung und Katalysator lassen sich inbesondere bei den unverbrannten Kohlenwasserstoffen, den sogenannten HC, substanzielle Verbesserungen erzielen, wie bei Zweirädern längst nachgewiesen wurde. Allerdings sind solche Triebwerke in der Herstellung teurer.“

Erhebliche Differrenzen

Inzwischen hat auch die Europäische Union für Sportboote Abgasgrenzwerte eingeführt. Diese unterscheiden sich allerdings teilweise erheblich von den am Bodensee gültigen Werten. Der offenkundigste Unterschied besteht bei den Ottomotoren. Die am See geltenden Grenz wer te für unverbrannte Kohlenwasserstoffe (HC) machen den Einsatz konventioneller Zweitakter am Bodensee praktisch unmöglich. Dagegen lässt die EU HC-Emissionen zu, die mehr als 2600 Prozent der Bodensee-Grenzwerte betragen. Der massive Widerstand der Bodenseeanrainer gegen diese Regelung blieb leider erfolglos.

Wachter weist noch auf einen weiteren Punkt hin. „Nur die Bodensee-Schifffahrts-Ordnung kennt die Begrenzung der stündlichen Schadstoffmenge, und zwar für Vergnügungsfahrzeuge. Diese Regelung setzt speziell über die Stickoxide indirekt ein Leistungslimit. Gewerblich genutzte Schiffe müssen allerdings nur die leistungsbezogenen Grenzwerte erfüllen.“

Nach Einführung der neuen EU-Abgasgrenzwerte herrschte einige Verwirrung, welche Regelungen nun am Bodensee gelten. Deshalb stellt Wachter klar: „Die Abgasvorschriften der Bodensee-Schifffahrts-Ordnung wurden von der EU zu Kenntnis genommen und gelten somit weiterhin.“ Und sie haben Wir kung gezeigt, die Motoren arbeiten nun wesentlich sauberer.

Diesen Artikel finden Sie auch in Seespiegel-Ausgabe Nr. 17Download-Link(PDF-Datei, 1,64 MB).

Weitere Artikel zum Thema finden Sie in:

 

 

nach oben
Sitemap