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"Es bestand einfach keine andere Wahl"

Interview mit IGKB-Gründungsmitglied Hans Gäßler (verstorben 2013)

Nachdem in den 1950er Jahren Experten erkannten, dass der Bodensee in Gefahr war, gründeten die Anrainerstaaten die Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee. Hans Gäßler, ein Mann der ersten Stunde, erinnert sich.


Herr Gäßler, wann tauchte erstmals der Verdacht auf, dass die Wasserqualität des Sees schlechter wurde?

In der zweiten Hälfte der 1950er Jahre hatte sich gezeigt, dass sich im Bodensee-Obersee – der bis dahin als gesundes nähstoffarmes Voralpengesässer galt – möglicherweise tiefgreifende biologische und chemische Veränderungen vollziehen. Diese ließen eine Verschlechterung der Wassergüte befürchten mit der Folge einer biologischen Wandlung zu einem nährstoffreichen Gewässer.

Was haben die Experten empfohlen?

Um der alarmierenden Entwicklung zu begegnen, erschien es notwendig, den Ausbau der Abwasseranlagen im Einzugsgebiet des Bodensees mit allen Mitteln zu beschleunigen. Schon damals hatte sich die Erkenntnis abgezeichnet, dass im Bodenseegebiet eine über die biologische Stufe hinausgehende Abwasserreinigung nötig sein würde und deshalb abwassertechnischen Zusammenschlüssen mehr als anderswo der Vorzug zu geben war.

Und das führte zur IGKB-Gründung?

Trotz der damals noch mäßigen Verschlechterung der Wassergüte war bald klar, dass man bei der Bodenseereinhaltung nur durch koordiniertes Vorgehen aller Staaten zum Ziel kommen kann. Dies hat dann 1959 zur Bildung der IGKB geführt.

Zum fünfzigsten Geburtstag gratulierten: Landesrat Karlheinz Rüdisser (Vorarlberg), Moderatorin Claudia Kleinert, Claudio Lardi (Graubünden), Dr. Stephan Müller (Bern), Bischof Markus Büchel (St. Gallen), Staatssekrektärin Melanie Huml (Bayern), Regierungsrat Willi Haag (St. Gallen), Ministerialdirektor Bernhard Bauer (Baden-Württemberg), Dr. Jakob Stark (Thurgau) (v.l.n.r.) Fotos: Regina Kühne

Wie hat die grenzüberschreitende Zusammenarbeit geklappt?

Es ist heute noch erstaunlich, wie beispielsweise so umfangreiche Vorhaben wie die Zusammenfassung der Abwässer aus dem deutsch-schweizerischen Raum Konstanz/Kreuzlingen mit Einleitung in den Abfluss des Obersees bei den betreffenden Städten und Gemeinden ohne viel Wenn und Aber auf Zustimmung stieß und dann verwirklicht wurde.

Gab es denn keine Skepsis?

Im Anfangsstadium ging es durchaus um die Frage, ob es bei den damals recht vagen Erfolgsaussichten überhaupt nötig und angesichts der zu erwartenden Aufwen dungen vertretbar wäre, in die „Sache“ all zu groß einzusteigen. Wissenschaftlich war nicht ausreichend geklärt, welcher sogenannte Minimumstoff die zunehmende Eutrophierung verursachte. Doch bald hat es sich als sicher erwiesen, dass dies der Phosphor war.

Warum wurde dann so viel Geld in die Abwasserreinigung investiert?

Die Meinungen in der Kommission waren zumindest geteilt. Dieses Stadium wurde jedoch ziemlich rasch überwunden, ohne das Miteinander in der Kommission zu beeinträchtigen. Es hatte sich die Einsicht durchgesetzt, dass zur Gründung der IGKB wie auch zum aufwendigen und teuren Ausbau der Abwasserreinigung einfach keine andere Wahl bestand.

 

Ministerialrat a.D. Hans Gäßler

Hans Gäßler wurde am 21. Oktober 1919 geboren. Seit 1958 arbeitete er als Diplomingenieur im Bereich Abwasserwesen und Gewässerschutz. Er war als baden-württembergischer Ministerialrat Mitglied in verschiedenen nationalen und internationalen Gremien, darunter der deutschen und internationalen Rheinschutzkommission. Als Gründungsmitglied, Delegierter und Sachverständiger der IGKB hatte er bis zur seiner Pensionierung im Jahre 1984 maßgeblichen Anteil an deren Erfolg.

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